Wann gelangt Zucker in den Dickdarm?
Laktoseintoleranz
Laktose – der natürliche Zucker in Milch und Milchprodukten – wird durch das Enzym Laktase verdaut. Produziert der Körper nicht genügend Laktase, kann die Laktose im Dünndarm nicht ordnungsgemäß verdaut und aufgenommen werden und gelangt stattdessen in den Dickdarm. Von einer Laktoseintoleranz spricht man, wenn dies zu Beschwerden führt. Bei manchen Menschen tritt sie ganz natürlich auf, da die Laktaseproduktion nach der frühen Kindheit abnimmt. Bei anderen kann die Erkrankung vorübergehend sein – etwa nach einer Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis) – oder mit chronischen Leiden wie entzündlichen Darmerkrankungen oder Zöliakie einhergehen. In seltenen Fällen kommen Menschen mit einer stark eingeschränkten oder fehlenden Fähigkeit zur Laktaseproduktion zur Welt. Viele Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen dennoch geringe Mengen Laktose; daher lassen sich die Beschwerden oft durch eine Reduzierung statt durch einen vollständigen Verzicht auf laktosehaltige Lebensmittel in den Griff bekommen (27).
Fruktosemalabsorption
Fruktose ist ein natürlicher Zucker, der in Obst und Fruchtsäften vorkommt; verarbeitete Formen werden jedoch – insbesondere in den USA – auch einigen Lebensmitteln und Getränken zugesetzt, um diese zu süßen (25). Eine Fruktosemalabsorption liegt vor, wenn der Dünndarm Fruktose nicht effizient aufnimmt, sodass ein Teil davon in den Dickdarm gelangt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dies eher bei der Aufnahme großer Fruktosemengen geschieht, insbesondere wenn Fruktose in größeren Mengen als Glukose vorhanden ist.
Die Fruktoseaufnahme ist jedoch ein komplexer Vorgang, der noch nicht vollständig geklärt ist. Die Fähigkeit zur Fruktoseaufnahme variiert von Mensch zu Mensch stark und kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, darunter die Darmfunktion, die Geschwindigkeit der Darmpassage, die gewohnte Ernährung, die aufgenommene Menge an Fruktose sowie weitere aufgenommene Nahrungsbestandteile wie Glukose, Sorbit und Ballaststoffe.
Symptome treten zudem eher nach dem Verzehr übermäßig großer Fruktosemengen, die auf einmal konsumiert werden, auf als durch die gewohnte Nahrungsaufnahme. Die Bestimmung der für das Auftreten von Symptomen erforderlichen Mengen wird dadurch erschwert, dass in vielen Studien hohe Einzeldosen verabreicht werden, die möglicherweise nicht den typischen Ernährungsgewohnheiten entsprechen. Zusätzlich ist eine Fruktosemalabsorption schwer zuverlässig zu diagnostizieren. Es bedarf weiterer Forschung, um die individuellen Unterschiede besser zu verstehen, insbesondere im Kontext der gesamten Ernährung (24, 28, 29, 30, 31, 32).
Hinweis zu Polyolen
Polyole sind eine Art von Kohlenhydraten, die auch als Zuckeralkohole bekannt sind (33). Obwohl es sich bei ihnen weder um Zucker noch um Alkohole im eigentlichen Sinne handelt, schmecken sie süß und weisen eine chemische Struktur auf, die beiden ähnelt. Zu den Beispielen gehören Sorbit, Mannit, Xylit, Erythrit und Maltit. Einige kommen natürlicherweise in unterschiedlichen Mengen in Obst und Gemüse vor – etwa Sorbit in Pflaumen, Erythrit in Weintrauben oder Xylit in Pilzen. Zudem werden sie eingesetzt, um Produkte wie zuckerfreien Kaugummi, Süßwaren oder kalorienreduzierte Lebensmittel zu süßen. Viele Polyole werden im Dünndarm nur teilweise aufgenommen und gelangen daher in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien abgebaut werden. Dies kann zu Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall führen. In einigen Ländern, darunter im Vereinigten Königreich und in der EU, müssen Lebensmittel mit einem Gehalt von mehr als 10 % zugesetzten Polyolen auf der Verpackung den Hinweis tragen, dass ein übermäßiger Verzehr abführend wirken kann (34).