Dieser Inhalt wurde von Prof. Martin Yeomans, School of Psychology, University of Sussex, Großbritannien, geprüft.
Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Sucht und Zucker in Lebensmitteln.
Süchtigkeit, auch bekannt als Substanzabhängigkeit, ist ein physiologischer und psychologischer Prozess, der zu Abhängigkeit und wiederum zu Entzugserscheinungen führt, wenn die Suchtmittel nicht mehr eingenommen werden. Der Begriff wird manchmal auch für Verhaltensstörungen wie Spielsucht verwendet, die eine unkontrollierte und zwanghafte psychische Abhängigkeit verursachen.
Zucker in der Ernährung und Suchtgefahr
Es gibt eine weit verbreitete Sichtweise dass Zucker süchtig machen kann. Wissenschaftliche Erkenntnisse, darunter auch das große multidisziplinäre NeuroFAST-Projekt, an dem zehn Forschungsgruppen aus sieben Ländern beteiligt sind, unterstützen jedoch nicht die Annahme, dass Zucker oder andere Lebensmittel süchtig machen (1–9). Darüber hinaus wird die Zuckersucht von keinem der unabhängigen Kriterienkataloge, die allgemeine medizinische Anerkennung gefunden haben (wie beispielsweise die Internationale Klassifikation der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (5,10,11) anerkannt, und Zucker ist auch nicht als Suchtmittel in der neuesten Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (12) aufgeführt.
Das Essen von etwas, das uns schmeckt, kann im Gehirn eine Belohnungsreaktion auslösen und die Ausschüttung von Dopamin bewirken, welches eine Rolle beim Empfinden von Freude spielt. Diese Reaktion ist nicht spezifisch für Zucker, und Freude ist nicht dasselbe wie eine Sucht (1). Die Ausschüttung von Dopamin kann beispielsweise auch bei anderen angenehmen Erfahrungen auftreten, wie beim Erzählen eines Witzes oder bei körperlicher Aktivität.
Das angenehme Gefühl der Belohnung ist das Ergebnis komplexer Signalprozesse im Gehirn, die beim Sehen, Riechen, Schmecken und Verdauen eines genussvollen Lebensmittels ausgelöst werden. Es gibt Überschneidungen zwischen den Nervenbahnen im Gehirn, die an der Belohnungswirkung von Lebensmitteln beteiligt sind, und denen, die bei der Substanzabhängigkeit eine Rolle spielen. Diese Überschneidungen der Nervenbahnen bestätigen jedoch nicht das Konzept der Nahrungssucht oder die Annahme, dass Lebensmittel oder Zucker wie eine Droge wirken (1,10). Zucker verursacht im Gegensatz zu Suchtmitteln auch keine Veränderungen im Gehirn (9). Darüber hinaus wurden in Studien am Menschen, die sich mit Zucker befassten, keine Symptome einer Sucht wie Entzugserscheinungen, Verlangen und Toleranz festgestellt (5).