Neurodivergente Merkmale können jedoch die Essgewohnheiten beeinflussen, was sich wiederum auf die Nährstoffaufnahme auswirken kann. So können beispielsweise häufige Merkmale dazu führen, dass manche Menschen im Zusammenhang mit Essen Angstgefühle verspüren, Schwierigkeiten haben, Hunger oder Sättigung zu erkennen, bestimmte Geschmacksrichtungen oder Konsistenzen bevorzugen oder dass das Essen auf bestimmte Weise präsentiert werden muss (6).
Diese Muster können zu einer eingeschränkten Ernährung oder einer geringen Vielfalt führen. Forschungsergebnisse zeigen zudem eine höhere Häufigkeit von Essstörungen – wie beispielsweise der vermeidend-restriktiven Ernährungsstörung (ARFID) – bei Menschen mit ASD und ADHS (7). Verdauungsprobleme und Nahrungsmittelunverträglichkeiten treten ebenfalls häufiger auf und können zusätzlich beeinflussen, welche Lebensmittel vertragen oder ausgewählt werden.
All diese Faktoren können das Risiko für Nährstoffmängel erhöhen, darunter auch solche, die für die Gehirnfunktion, die kognitiven Fähigkeiten und den Gemütszustand unerlässlich sind (8). Dies wird durch eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse gestützt, die zeigt, dass Kinder mit ASD eine signifikant geringere Zufuhr an Eiweiß, den Vitaminen A, B1, B2, B3, D, K und Folsäure aufweisen (9).
Trotz begrenzter wissenschaftlicher Belege für die Wirksamkeit von Ernährungsinterventionen ist das öffentliche Interesse an „Spezialdiäten“ nach wie vor groß (10). Dazu können Ausschlussdiäten (wie glutenfreie, kaseinfreie oder ketogene Diäten) oder Nahrungsergänzungsmittel (wie Vitamin B6, Omega-3-Fettsäuren oder Eisen) gehören. Während Nahrungsergänzungsmittel von Nutzen sein können, wenn sie zur Behebung oder Vorbeugung von Mangelzuständen verschrieben werden (11), empfehlen die wichtigsten Gesundheitsbehörden keine spezifischen Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel zur Bewältigung oder Behandlung von ASD oder ADHS (6, 12, 13).